Auszeit, allein als Frau, um Klarheit zu finden.

 

Eine Woche im Bauwagen und die Frage, was wirklich wichtig ist.

Auszeit allein als Frau. Es gibt Momente im Leben, in denen wir spüren, dass wir Abstand brauchen. Nicht von einzelnen Menschen oder Aufgaben, sondern vom ständigen Tun, vom Organisieren, vom Denken und Entscheiden. Von all dem, was uns Tag für Tag beschäftigt und oft so selbstverständlich geworden ist, dass wir gar nicht mehr merken, wie erschöpft wir eigentlich sind.

Vor einer Woche bin ich von einer Auszeit zurückgekehrt, die ich mir schon lange gewünscht hatte. Ich war allein in einem kleinen Bauwagen auf einer Wiese. Mein Wollpulli war mein liebstes Kleidungsstück, nachts durften Wärmflasche und Wollsocken nicht fehlen und der Wasserkocher wurde mein treuester Begleiter u. a. für meine Fastenkur und den heißen Tee. (Salufast – Empfehlung meiner Freundin und Heilpraktikerin Catharina) Es war kühl, still und erstaunlich einfach. Um mich herum waren Natur, Wiesen und ein paar Hühner, die schnell zu meinen Nachbarn wurden. Einmal am Tag schaute der Hausherr oder seine Frau nach mir. Ansonsten war ich mit mir allein. Und genau das war der Plan.

Ich hatte kein Buch dabei und das Handy blieb fast die ganze Zeit ausgeschaltet. Eine kurze Nachricht am Tag an meinen Partner, dass es mir gut geht, und dann wieder offline. Dazwischen Spaziergänge, kleine Fahrradtouren ans Meer, das Beobachten frisch geschlüpfter Küken und viel Zeit zum Schreiben, Nachdenken und einfach Sein. Im Laufe der Tage begann sich etwas zu verändern.
Mein Geist wurde ruhiger. Mein Körper entspannte sich. Die innere Unruhe, die wir oft gar nicht mehr wahrnehmen, weil sie unser Dauerzustand geworden ist, verlor an Kraft. Mir wurde bewusst, wie sehr ich mich nach einer solchen Pause gesehnt hatte.
Wenn die äußere Ruhe die innere Stimme wieder hörbar macht.

Ich begleite Frauen in der Lebensmitte. Frauen, die Verantwortung tragen, die sich selbständig gemacht haben oder davon träumen, ihre Berufung stärker in die Welt zu bringen. Frauen mit viel Erfahrung, Kompetenz und Lebenserfahrung.
Und doch höre ich immer wieder ähnliche Sätze.

„Ich komme nicht ins Tun.“
„Ich schiebe wichtige Entscheidungen vor mir her.“
„Irgendetwas hält mich zurück.“
„Ich habe das Gefühl, dass ich mein Potenzial noch nicht wirklich lebe.“

Von außen betrachtet wirkt vieles oft unverständlich. Die Webseite wird nicht veröffentlicht, obwohl sie fast fertig ist. Das Angebot liegt seit Monaten in der Schublade. Die Sichtbarkeit kostet unglaublich viel Kraft. Entscheidungen ziehen sich in die Länge, obwohl der Wunsch nach Veränderung längst da ist. Viele versuchen dann, das Problem durch noch mehr Wissen, noch mehr Strategien oder noch mehr Disziplin zu lösen.

Meine Erfahrung ist eine andere.

Oft brauchen wir zunächst einen Moment des Innehaltens. Einen Raum, in dem das permanente Funktionieren unterbrochen wird. Denn erst wenn es stiller wird, können wir wahrnehmen, was tatsächlich in uns wirkt. Manchmal zeigt sich eine tiefe Erschöpfung.
Manchmal eine Sehnsucht, die lange keinen Platz hatte.
Und manchmal werden auch die unsichtbaren Dynamiken sichtbar, die uns daran hindern, den nächsten Schritt zu gehen. Alte Loyalitäten, innere Glaubenssätze, übernommene Aufträge oder die unbewusste Sorge, dass Erfolg, Sichtbarkeit oder Veränderung etwas kosten könnten.

Die Antworten entstehen oft nicht im Machen. Während meiner Zeit im Bauwagen habe ich viel in eine kleine gelbe Kladde geschrieben und zum ersten Mal mit Aquarellfarben experimentiert. Ich saß mit einer Tasse Tee am Küchentisch und ließ Gedanken kommen und gehen.

Es musste nichts entstehen.
Es musste nichts geleistet werden.
Und gerade deshalb entstand etwas Wertvolles.

Klarheit.

Ich spürte wieder deutlicher, was mir wichtig ist, wonach ich mich sehne und wie sehr ich die Nähe zur Natur und zum Meer brauche. Ich konnte wahrnehmen, was sich in den vergangenen Monaten angesammelt hatte und wie wohltuend es ist, sich selbst wieder zuzuhören.
Vielleicht brauchen wir nicht immer sofort die nächste Lösung.
Vielleicht brauchen wir zunächst einen Ort, an dem wir wieder in Kontakt mit uns selbst kommen.
Denn Berufung entsteht selten im Dauerstress. Klarheit wächst selten zwischen E-Mails, To-do-Listen und Terminen. Und die nächsten mutigen Schritte zeigen sich oft genau dann, wenn wir für einen Moment aufhören, sie erzwingen zu wollen.

Ich glaube, dass viele Frauen genau das spüren. Den Wunsch, ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Talente noch einmal auf eine stimmige Weise einzubringen und gleichzeitig zu merken, dass etwas in ihnen auf die Bremse tritt.
Genau dort beginnt meine Arbeit.

Gemeinsam sichtbar zu machen, was unter der Oberfläche wirkt, damit neue Entscheidungen möglich werden und der eigene Weg wieder klarer vor einem liegt.

Und während ich diese Zeilen schreibe, hat der Sommer Einzug gehalten. Über 30 Grad. Die Wollsocken sind längst verstaut.
Geblieben ist die Gewissheit, dass es manchmal nur eine Woche Stille, ein paar Hühner auf einer Wiese und die Weite des Meeres braucht, um sich selbst wieder ein Stück näherzukommen.